Montag, 1. Februar 2010

Ohrwurmkönigin

Ach was, Ohrwurm! Ohrwürmchen wäre noch übertrieben. Nix weiter als eine große Terz abwärts, wie ein Türgong eben. Denn so etwas wie ein Türgong ist es wohl, was der Senator da aus dem Backshop kurz herüberschallen hört, ging-gong, und aus irgend einem noch nicht verstandenen Grunde macht es ihn froh, das zu hören, doch, ja warte mal: Da gab es ein Lied, wo immer wieder dieses Ging-Gong drin vorkam, wenn er doch wüsste, was das war. Der Senator lauscht in sein Gehirn, ob dort vielleicht etwas mehr von dem Stück zu hören ist. Hmm, ja, sowas wie ein Schlagzeug. Und auf die Zwei kommt das Ging, auf die drei das Gong. Und dann gings irgendwie weiter.
Systematisch grenzt er ein: Hat das eine Frau gesungen oder ein Mann? (Wahrscheinlich ein Mann). Kann das ein deutscher Song sein? (Dazu klingt das Erinnerungsfragment ein bisschen zu entspannt.) Ist es von jemand, der schlichte akustische Lieder macht, oder von einem mit krachenden Rockgitarren? Schwer zu entscheiden. Womöglich macht der sogar beides... Es ist aus den letzten zehn Jahren, oder?
Drei Stunden arbeitet es im Senator. Dann hat er es gefunden.
Das ist kein Erfolgserlebnis, das ist Erlösung.
Hätten Sie es gewusst?
Ohrwurm-1 (mp3, 300 KB)

Freitag, 21. August 2009

Osterei, vorfristiges

Wie schon gesagt: Aktualität ist kein hervorstechendes Merkmal dieses Blogs. Außerdem wird man doch mal ein bisschen was nachtragen dürfen, wenn man fast drei Jahre nicht geschrieben hat. (Weiß gar nicht: Gibts dieses Blogosphären-Ding eigentlich noch, oder sitze ich inzwischen ganz alleine hier?)
Der Senator hatte ein schlechtes Gewissen. Er saß im Zug nach Berlin, wo er gemeinsam mit der Senatorin und seiner 19jährigen Tochter die Osterferien verbringen wollte. Das letzte Mal hatte er die Familie vor etwa einem Monat für ein Wochenende gesehen, wie auch das Mal davor und das Mal davor. Der Senator war für ein Jahr nach Süddeutschland gegangen, an die sechs Stunden von zu Hause entfernt, an ein Ausbildungsinstitut, wo er sich das Zeug und die Qualifikation zu einem neuen Beruf verschaffen wollte. Es sollte Schluss sein mit dem trostlosen Dasein als Computersklave im Dienste der Industrie, Schluss mit dem einsamen Alltag am Schreibtisch: Etwas Kreatives sollte es sein, Arbeit mit Menschen, Spaß machen sollte es, der Fantasie etwas zu tun geben, Lebendig sein und angenehmere Aufregungen bieten als unrealistische Deadlines und Kunden mit zweifelhafter Zahlungsmoral. Also zum Beispiel: Theaterpädagogik.
OK. Der Senator hat also die unbefriedigende Übersetzerei an den Nagel gehängt und lernt jetzt auf Theaterpädagoge. Das macht Spaß, das tut ihm gut (in vier Monaten nimmt er sieben Kilo ab), das bringt ihn an ungekannte Orte (seit Januar geht er regelmäßig in den Knast und spielt mit Dieben, Räubern und Sexualstraftätern Theater). Das bringt Herausforderungen mit sich - zum Teil welche, die er vorhersah, zum Teil ganz ungeahnte.
Dass eine solche Herausforderung wie diese auf ihn zu kommen könnte, hatte er geahnt (ach was, alter Heuchler, geahnt: Das hattest du doch gewollt!): Da gibt es diese absolut faszinierende Mitschülerin mit dem brennenden Blick, die Anglerin. Er möchte ihr am liebsten dauernd in die Augen sehen. Er möchte noch einiges mehr. Zum Beispiel mal mit ihr ins Kino gehen. Einen Wein trinken. Für den Anfang.
Im Kino waren sie schon, vor ein paar Wochen. Gestern dann das mit dem Wein. So ein schöner Abend. Sie haben über dies und das geredet, der Senator hat ein wenig durchblicken lassen, wie es ihm mit der Anglerin geht. So durch die Blume erst einmal, aber eigentlich schon zu deuten. Und als sich die zwei dann auf dem Heimweg am Fluss zum Abschied drücken, sagt der Senator ihr: Weißt du, Anglerin, ich hab dich sehr gern. Ich dich auch, sagt sie.
Nach nur vier Stunden Schlaf ist der Senator hellwach: Seine Haut brennt vor Sehnsucht. Wieso ist die Anglerin jetzt nicht hier, denkt er, das geht doch nicht so. Er kann nicht wieder einschlafen. Also macht er ein bisschen sauber, packt seine Sachen und nimmt einen Zug früher. In dem sitzt er jetzt also, Gründonnerstag 2009, und denkt an die Anglerin. Und er hat ein schlechtes Gewissen: er nähert sich immer mehr Berlin, wo doch die Senatorin und die Tochter auf ihn warten. Wär gut, wenn ich die Anglerin für die nächste Woche aus dem Kopf bekommen könnte, denkt er. Am besten gleich, noch ehe der Zug Berlin erreicht.
Aber weder den Gedanken an die Anglerin noch das schlechte Gewissen kann der Senator im Zug zurücklassen. Aufgeregt kommt er zu Hause an, die Tochter öffnet ihm, nein, Mama ist noch in Hamburg, die macht da ja auch gerade berufliche Neuausrichtung. Weißt du, dass Mama neun Kilo abgenommen hat? Und ich sieben, strahlt der Senator. Ja, meint die Tochter. Du wolltest das ja auch. Aber Mama isst einfach nicht mehr. Der Senator schickt ihr eine SMS: Ich bin da, wann kommst du? Und muss sich jetzt erst einmal hinlegen, vier Stunden Schlaf halten nicht lange vor, wenn man keine Dreißig mehr ist. Er schläft wie ein Stein. Als er aufwacht, ist es sechs Uhr abends, und er sieht, dass die Senatorin geantwortet hat: Ich komme um acht, muss dir was Wichtiges sagen.
Der Senator kocht sich einen Kaffee. Wie kann sie davon erfahren haben, denkt er? Er ist entschlossen, alles abzustreiten.
Er geht auf den Hof, eine rauchen. Er kocht sich noch einen Kaffee. Mit irgendwelchen weiteren Aktivitäten, an die er sich danach nicht mehr erinnern können wird, bringt er irgendwie die Zeit bis um acht rum. Pünktlich dreht sich der Schlüssel im Schloss. Er geht der Senatorin entgegen, die ist ja wirklich dünn geworden, sie zittert, blickt so in sich gekehrt. Was ist denn los, fragt der Senator. Setz dich doch erst mal.
Jetzt sitzen sie. Du, sagt die Senatorin. Es gibt einen anderen Mann.
Darauf war der Senator jetzt doch nicht gefasst.

Mittwoch, 6. Dezember 2006

Hier passiert gerade nichts

weil das, was gerade passiert, woanders passiert.
Und das Mitteilungsbedürfnis auch weitgehend gedeckt ist.

Mal sehn, ob sich das noch mal ändert.

Montag, 18. September 2006

Aufgeklärtes Christentum, ein Traum

Wie er an diesen Kleinkunst-Veranstaltungsort geraten ist, ist dem Senator schleierhaft. Jedenfalls albern da auf der Bühne zwei Komödianten* mit einem Kondom herum. Im Publikum der Papst, er amüsiert sich prächtig. Nach der Nummer erhebt er sich, um sich folgendermaßen dem Publikum zuzuwenden: Sehen Sie, meine Damen und Herren, es ist ja gar nicht so, dass wir Kondome pauschal verteufeln würden. Wir sind lediglich dagegen, dass sie beim Geschlechtsverkehr Verwendung finden.


* für Leser unter 30: Comedians

Freitag, 3. März 2006

DEFA, 1963

Beim Drehen gab es manchmal auch schwierige Situationen. In der Schlussszene [...] sollte Jürgen bitterlich weinen. Wie aber konnte ich ihn dazu bringen? Ich war völlig ratlos. Die Mutter riet, ihm unmittelbar vorher eine runterzuhauen.

Contaminati!

Putting the Leistung back in Fehlleistung

Neu

Ohrwurmkönigin
Ach was, Ohrwurm! Ohrwürmchen wäre noch übertrieben....
Senator Arepo - 1. Feb, 12:51
Der Senator war in London
Der Rückflug war für 7.30 Uhr gebucht. Es...
Senator Arepo - 26. Jan, 09:13
Ah! Es gibt dieses Blogosphären-Dings...
Ah! Es gibt dieses Blogosphären-Dings doch noch!...
Senator Arepo - 25. Nov, 23:06

Dankbar

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page

twoday.net AGB


Beziehungsweise
Night on Earth
Umwege erhöhen die Ortskenntnis
Wo leben wir denn
Zuecho
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren