Sonntag, 24. April 2011

Viel zu gegensätzliche Interessen

Leben ist nicht Lebertran
(Eine Osterpredigt, aus gegebenem Anlass)

Wenn du zum Beispiel nur auf Punk stehen würdest, und ich, sagen wir mal, auf Achim Menzel; oder wenn du am liebsten Schweinebraten hättest und ich wäre Vegetarier; oder ich wäre Pastor und du Richard Dawkins - alles keine unüberwindlichen Hürden. Kriegt man schon irgendwie hin.
Aber eines ginge nicht, Baby: Dass du NPD wärst und ich Antifa. Das überbrückt die größte Liebe nicht. Da würde ich sagen: Mach, dass du da raus kommst, sonst bin ich weg.

Und genauso ist das mit Leben und Tod. Wenn du mit dem Tod flirtest, Baby, wenn du ihm deine Phantasien widmest, ihn zum Gegenstand deiner Wünsche machst, wenn du DEN für die große Lösung aller Probleme hältst: Dann haben wir uns nicht mehr viel zu sagen. Ich interessiere mich fürs Leben, und ich will nur mit Leuten zu tun haben, die da mitmachen. Und von denen, die es mit dem Tod halten, halte ich mich fern.

Und es ist mir ganz egal, ob diese Entscheidung vielleicht mangelhaft begründet ist.
Stimmt schon, dass eine Menge gegen das Leben spricht. Es ist der Ort, an dem es solche Plagen gibt wie Mario Barth und das Finanzamt, den Zahnschmerz, die Scham, die Schuld. Um nur mal einige zu nennen. Und doch ist es, frei nach Woody Allen, eben auch der einzige Ort, an dem man ein anständiges Steak bekommt. Und es ist der Ort, an dem man immer irgendeine Wahlmöglichkeit hat. Meist sogar mehrere. So eine Art Freiheit, so mangelhaft die auch sein mag. Und keine Ahnung warum, aber aus irgendeinem Grund finde ich das besser.

Im Tod dagegen gibt es überhaupt keine Wahl mehr. Wie kannst du dir das nur als Befreiung vorstellen. Was soll das mit Freiheit zu tun haben. Das ist das Ende jeder Freiheit. Der Tod kommt ganz von selbst und früh genug. Der braucht dich nicht für seine Geschäfte. Der hat dir nichts zu geben. Der ist der ultimative Drecksack. Wenn du es dir mit mir nicht ernsthaft verderben willst, Baby, hältst auch du dich von dem fern.

Und komm mir nicht mit "naja, mit dir wär ich schon bereit, noch eine Weile zu leben". Das klingt wie: Wenn du lieb zu mir bist, zünde ich vielleicht eine Weile lang keine Ausländer an. Oder wie: Wenn ich ein ganz ganz großes Eis bekomme, nehme ich auch einen Löffel Lebertran. Keine Chance.
Überzeug mich, dass du leben willst, egal ob mit sonem coolen Typen wie mir oder ohne. Noch so mindestens dreißig, vierzig Jahre. So lange will ich übrigens auch noch hier sein. Mindestens.
Und wenn du mich soweit hast, dass ich dir das abnehme: Dann können wir gerne sehen, was wir gemeinsam Tolles auf die Beine stellen können. Ich könnte mir da einiges vorstellen.

Aber erst steigst du bei diesen Nazis aus. Jetzt gleich. Ich sag das nur einmal. In dem Punkt bin ich Antifa.

Montag, 21. Februar 2011

sapere aude 2011

"soll Passagen übernommen haben"
"keine Vorverurteilung"
"Urteil der Universität Bayreuth nicht vorgreifen"
"sollte man aber die Bewertung der Vorwürfe dem zuständigen Gremium überlassen"
"Was erlaubt ist und was nicht, dürfte für die meisten von uns nicht entscheidbar sein"
u.v.m.

Montag, 15. November 2010

Es gibt kein grausameres Wildbret als son Löwe

Dass die den Löwen doch lieber sedieren sollten, weil er mit seinem Gebrüll den anderen Tieren Stress macht, meint Claudia Roth Light. Andere schlagen vor, ihn aus dem Zoo in das Einzelgehege im Park zu verlegen, da kann er brüllen, ohne zu stören, und die Bürger wären stolz auf ihr Wappentier. Claudia Roth Light beharrt. Ein nicht sedierter Löwe sei aber wirklich ein gefährliches Tier. Der Senator überlegt, was er täte, wenn der Löwe jetzt ausbräche und seine Gesellschaft angriffe. Einfach mit einem großen Knüppel ordentlich eins vor den Kopf? Davon lässt der sich bestimmt nicht beeindrucken, man müsste mehrmals zuhauen, ehe sich eine Wirkung einstellt, am besten nacheinander links und rechts auf die Schnauze, da hätte man die beste Hebelwirkung. Doch es ist nicht anzunehmen, dass der stillhält; wahrscheinlich würde er sogar schon mitten im Sprung sein, und da kann man mit so einem Knüppel gar nichts ausrichten. Einem anspringenden Wolf kann man immerhin noch die Faust in den Schlund rammen und ihn wie einen Handschuh auf links drehen. Beim Löwen hilft wahrscheinlich nur, wenn man gleich das Herz erwischt und herausreißt. Nur dass der Arm dann eben wohl schon ab wäre. Die einzige Möglichkeit scheint darin zu bestehen, sich zu opfern, Zeit zu schinden, und als letztes noch der Freundin zuzurufen, dass sie schnell weglaufen soll.

Später dann, bei Jono und Paul in Afrika, meinen die Freunde, dass der Senator nachts lieber nicht ohne Gewehr aus dem Haus gehen sollte. Und um so einen Löwen wirklich schnell zu stoppen, Elefantenmunition. Sie haben noch welche da: fette, quadratische Klarsichtwürfel, in der Mitte eine großkalibrige Patrone. Man verschießt die mit den normalen, ziemlich schlanken, Gewehren, die haben neben dem dünnen Standardlauf noch einen kurzen, dicken, der ist für die Löwenpatronen. Man zielt über den normalen Lauf, die zwei sind offenbar absolut parallel, und der Abstand ist ja nicht so weit, dass das groß ins Gewicht fallen würde. Fünf Zentimeter daneben macht bei Elefantenmunition letztlich keinen Unterschied. Und das wäre doch wirklich schade, wenn der Senator ohne Löwentrophäe nach Hause käme. Um die Gefahr zu demonstrieren öffnet Jono kurz mal die Tür, da ist es dunkel, er tritt nach draußen, schon beginnt ein Jaguar, im Kreis um ihn herum zu schleichen. Ha, denkt der Senator, wenn er den mitbrächte, würde er zumindest unter den Apple-Fans Furore machen, da heißt das aktuelle Betriebssystem doch Jaguar. Oder nee: Schneejaguar, richtig? Jaguar, das war vor vier Jahren, als er sein G4-Notebook kaufte. Also doch einen Löwen schießen. Wenn es soweit ist.

Da ist auch schon das Gewehr für den Senator, sie hatten noch eins übrig, das kann er haben. Ist doch egal, dass er keine Lizenz hat. In Afrika braucht man eine Lizenz für ein Gewehr? Hätte er nicht gedacht. Na, wird schon keiner nach fragen. Doll sieht es ja nicht aus. Plastkolben wie bei einem Spielzeug, eine ziemlich komplizierte, kipplige Visiereinrichtung. Ob man damit zielen kann? Er müsste einen Probeschuss machen, dafür reicht der Kleinkaliberlauf. Also vor die Tür. Es ist Tag. Draußen ein Werkszaun, dahinter so etwas wie eine Fabrik, erinnert ein bisschen an die Coverfotos von "Animals". Der obere Teil des Zauns besteht aus transparenten Kunststoffplatten, wenn er da einen charakteristischen Fleck findet, kann er den als Zielscheibe benutzen, es muss nur ein Fleck auf der Scheibe sein, nicht auf der Fabrik dahinter. Vielleicht den da. Er legt an, probiert mehrmals aus, wie das Gewehr am besten in der Hand liegt, dass der Lauf auch so kurz sein muss: Er hat Angst, mit dem Finger beim Schuss vor die Mündung zu kommen. Ach so, spannen muss man auch noch. Funktioniert wie bei einer Pumpgun. Bescheuerte wacklige Visiereinrichtung, die sitzt zu hoch. Nicht verwackeln. Er schießt. Oha. Besser als erwartet. Das kreisrunde Loch sitzt ein paar Zentimeter unterhalb des Flecks, na gut, das geht aufs Konto des zu hohen Visiers. Aber keine Abweichung nach links oder rechts, dass er noch so eine ruhige Hand hat! Jetzt kann der Löwe kommen. Da geht der Wecker los.

Dienstag, 21. September 2010

Finde die Unterschiede

Exellence Cocos offenbart, vor allem für Liebhaber und Cenner von edler weißer Chocolade, ein außergewöhnlich cocos-intensives Geschmacserlebnis. Die Verwendung überwiegend handverlesener, costbarer Cacao Sorten aus ausgewählten Anbau Gebieten und die tradicionelle Verarbeithung durch die Maîtres Chocolatiers lassen eine Sinfonie entstehen, die auf Grundt des Conchirens ihren unvergleychlich carten Chmelc erhält. Die intensiv-natürliche Cocos Note wird abgerundet mit feinen Cocos Raspeln, die das Géchmacserlebnis nachhaltic tragen und das vollmundige Arôma unterstütcen. Aufgrundt der ecstra dünnen Tafelphorm entfaltecich derr langue anhaltendè Géchmàc optimall.

Dienstag, 11. Mai 2010

Morgenseiten, 4.4.09

Liebe Freunde, zu meinem Geburtstag wünsche ich euch alles Gute. Mir natürlich auch. Ich weiß nicht, wie ich es solange ausgehalten habe. Ich wusste wohl gar nicht mehr, wie das geht, wenn man was will und es dann tut. Ich wusste nur noch, wie man etwas will und dann nicht tut. Ich hatte mir über Jahre hinweg abtrainiert, für meine Wünsche zu arbeiten. Als es dann soweit war, dass ich daran gehen konnte, mein Leben zu verändern, hatte ich noch immer im Hinterkopf die tröstlichen tödlichen Motti: Morgen ist auch noch ein Tag.
Sanne, lass uns mal brainstormen. Erst machen wir zusammen was zu Essen, dann - Per sieht eigentlich ein bisschen wie Tom Cruise aus - dann erzählen wir uns voneinander und dann haben wir die tollsten Ideen und dann können wir ja vielleicht miteinander ins Bett gehen. Und wenn wir uns in einem Jahr in Zürich oder Berlin oder sonstwo treffen, wie glaubst du, können wir von unserem jeweiligen Lebenspartner verheimlichen, dass wir was miteinander haben? Dass wir miteinander geschlafen haben? Willst du wirklich für die Dauer deines restlichen Lebens, oder für die restliche Dauer deiner Ehe jedenfalls, die Last von Erinnerungen mit dir herumschleppen, die schön sind, aber die du nicht mitteilen kannst?
Aber solche gibt es doch schon, sagte der Scheuch. Ellie wusste nicht, was er meinte. Eiserner Holzfäller, was glotzt du so eingerostet. Hau dem Löwen deine Axt über den Schädel und lass uns weiterziehen.
Ich kann nicht, knarrte der Holzfäller rostig. Immer muss ich an meine Geliebte denken, die zu Hause auf mich wartet, und ich mach hier mit Ellie rum.
Na und, sagte der Löwe, das machen wir doch alle. Meinst du, du wärst der einzige? Was kümmert es deine Geliebte, wenn du mit uns unterwegs bist.
Der Parfümgeruch an der Tür hat die Ameisen sicher vertrieben. Da hab ich gedacht, ich zünd mal ein Räucherstäbchen an. Was, du und Räucherstäbchen? So isses, Anglerin. Du hast sowas sehnsüchtiges im Blick. Du hast als einzige gesagt, dass du doch mit mir arbeiten willst. Sanne, komm, wir erzählen uns unser Leben. Ein Kunsträuber, ein Sexualstraftäter. Mit dir würde ich sofort zusammenarbeiten, denn ich weiß, dass du gewissenhaft bist. Mal sehen, ob sie die Grafikkarte zurücknehmen. Den Playboy haben Sie nicht zufällig? Oder die konkret? Neenee, so weit geht die Liebe dann doch nicht. Ich will einfach jede Menge Geld verdienen, ein schnelles Auto, schöne Frauen, ein Haus am Meer. Das kann doch wohl nicht zuviel verlangt sein. Jetzt machen wir alles anders. Ich mache alles anders. Die Downloads kommen auf den Schrott, jawoll. Brauch meinen alten Tintenstruller nicht mehr. der ist zwar wirklich alt, aber er tut seinen Job. Beziehung stiften statt wegwerfen. Gut nur, dass ich zu Hause geblieben bin. So wird alles gut.

(Fünf Tage vor Gründonnerstag 2009)

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